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KircheKölner Dom

Hl. Drei Könige.
Wahrzeichen und Mittelpunkt Kölns ist der Dom mit seinen himmelragenden Türmen. Er ist auch Zeuge von mehr als 1.900 Jahren Kölner Geschichte.

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Kölner Dom
Domkloster 4
50667 Köln
Telefon: 0221 - 17940-100
dompropstei[at]metropolitankapitel-koeln[dot]de

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Kölner Dom
Foto: Dr. Jakob Schlafke

Wahrzeichen und Mittelpunkt Kölns ist der Dom mit seinen himmelragenden Türmen. Er ist auch Zeuge von mehr als 1900 Jahren Kölner Geschichte. In der Nordost-Ecke der Römerstadt stand seit 50 ein kleiner Merkurius Augustus-Tempel, ähnlich dem der Göttin Fortuna geweihten, den wir heute noch auf dem Rinderforum in Rom sehen. Zwischen ihm und der Stadtmauer erwarb die christliche Gemeinde ein Gelände, auf dem, als die Kirche 313 die Freiheit erhielt, z.Z. des ersten namentlich bekannten Bischofs Maternus eine über 130m lange Kirchenanlage nachgewiesen ist. Man betrat die Taufkapelle vom Osten, vom Rhein her, kam in ein heizbares Wohngebäude, erreichte über Treppen das Atrium, das den kleinen römischen »Tempel von drei Seiten umfaßte, und dann die etwa 40 m lange Bischofskirche. In dem Atrium stand um 550 eine kleine Marienkapelle mit den Gräbern einer Dame und eines Knaben aus königlichem Hause. Diese wurden bei den Grabungen, die seit dem Krieg systematisch durchgeführt wurden, 1959 entdeckt. Die reichen Beigaben sind heute im Diözesanmuseum neben dem Dom ausgestellt.
Weil der Kirchenraum nicht mehr ausreichte, überbaute Bischof Carentius um 565 dieses Atrium und schuf damit den zweiten Dom, eine Anlage von etwa 85 m Länge. Diese wurde von Bischof Hildebold, dem Freund und Berater Kaiser Karls des Großen, nach Art des St. Gallener Klosterplans ausgebaut und erweitert.
Als Hildebold 796 Erzbischof und Metropolit der neuen, von Belgien bis Hamburg reichenden Kirchenprovinz wurde, reifte der Plan zu einem neuen, großen Dom an dieser Stelle, der 818 begonnen und 870 konsekriert wurde. Durch die jetzt zugänglichen Ausgrabungen haben wir von den Vorgängerbauten unter dem heutigen Dom seit der Römerzeit gute Kenntnis.
Aus der Zeit des Hildebold Domes befinden sich heute in der Dombibliothek wertvolle Handschriften, von denen einige in der Schatzkammer des Domes ausgestellt sind. Ehrwürdige Reliquien brachte Erzbischof Bruno I. u. a. von seinen Rom-Fahrten mit. Von besonderer Bedeutung sind der Petrusstab und die Glieder der Ketten Petri, die seit der Zeit Brunos (953- 965) dem Bischof bei feierlichen Gottesdiensten und Prozessionen vorangetragen wurden. ln ihnen dokumentiert sich die Verbundenheit Kölns, der „allzeit treuen Tochter Roms“, mit dem Papst.
Mit dem Petrusstab Verbindet sich die in Trier aufgezeichnete Legende; Der heilige Petrus habe drei seiner Schüler, Eucharius, Valerius und Maternus, als Missionare an den Rhein gesandt. Maternus sei in Ehl im Elsaß verstorben. Auf die Nachricht hin habe Petrus den Boten seinen Stab mitgegeben, und durch dessen Berührung sei Maternus nach 40 Tagen wieder zum Leben erweckt worden. Diese Trierer Legende ist wohl im 9. Jahrhundert entstanden und wurde im zweiten Drittel des 10. Jahrhunderts aufgezeichnet, als der Primatsanspruch des Trierer Bischofs wieder erwachte. W. Schulten vermutet, Erzbischof Bruno, der jüngste Bruder Kaiser Ottos I., habe sich 953 als Herzog von Lothringen des damals im Besitz des Metzer Doms befindlichen Stabes bemächtigt und ihn nach Köln gebracht. Erzbischof Warin (975-985) hat dann auf Drängen des Erzbischofs Egbert von Trier (977-993) einen Teil des Stabes nach Trier gegeben, wo man der Ansicht war, er habe ursprünglich nach Trier gehört und sei nur bei der Bedrohung durch die Hunnen nach Metz in Sicherheit gebracht worden. ln Köln verblieben der Elfenbeinknauf mit der silbernen und vergoldeten Fassung und der 132 cm lange Holzstab. Der andere Teil des ursprünglich 250 cm langen Stabes wurde in Trier mit der berühmten Hülle umgeben, die zu den Meister Werken ottonischer Goldschmiedekunst gehört und sich heute im Limburger Domschatz befindet. Als zweites Zeichen der besonderen Verbundenheit Kölns mit dem Heiligen Stuhl birgt die Schatzkammer des Doms die Reliquienmonstranz mit den Gliedern der Petruskette. Auch diese hat Erzbischof Bruno I. nach Köln gebracht, um den Rang der Kölner Petrus-Kathedrale zu erhöhen und die Verehrung des Apostelfürsten zu steigern. Das Kettenreliquiar und der Petrusstab wurden dem Erzbischof bei den Prozessionen vorangetragen. Das alte Reliquiar ist verlorengegangen. Heute werden die Glieder der Petruskette in einem um 1500 geschaffenen vergoldeten und mit einem aus gotischer Zeit stammenden Bergkristall geschmückten Reliquiar aufbewahrt.

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Kölner Dom, Ostchor
Foto: Dr. Jakob Schlafke

Auch bei den großen Schreinprozessionen 1948 und 1980 schritt der Erzbischof unmittelbar hinter dem mitgeführten Petrusstab und der Petruskette. Gegenstand besonderer Verehrung, schon im Hildebolddom, waren das lebensgroße Gerokreuz vor 976 und die 1164 durch Erzbischof Reinald von Dassel, dem Kanzler Kaiser Friedrich Barbarossas für Italien, nach der Eroberung von Mailand nach Köln überführten Gebeine der Heiligen Drei Könige. Durch sie entwickelte sich Köln zu einem der großen Wallfahrtsorte der Christenheit. Der bedeutendste Goldschmied seiner Zeit, Nikolaus von Verdun, begann 1181 mit der Schaffung des Schreins, der an Kostbarkeit in der Welt nicht seinesgleichen haben sollte. Nach seiner Vollendung 1230 beschloß das Domkapitel 1248 den Bau der gotischen, nach der Planung damals größten Kathedrale der Christenheit. In ihrer Mitte sollte der Schrein seinen Platz haben.
Der Dom als Grabkirche der Kölner Erzbischöfe barg auch eine Reihe anderer verehrter Gräber, zeigt doch der 1633 von Konrad Duisberg geschaffene Schrein des heiligen Engelbert Bilder von elf heiligen Kölner Erzbischöfen, von denen die meisten ihre Grabstätte im Kölner Dom haben.
Besondere Verehrung genießt auch der aus dem ll. Jahrhundert stammende Sarkophag der heiligen Irmgard von Aspel, an deren Gedenktag, dem 4. September, die große lrmgardisschule in Köln mit ihren über 1000 Schülerinnen zu einem feierlichen Gottesdienst in den Dom kommt.
Das Jahr 1985 wurde von der Stadt Köln als Jahr der romanischen Kirchen begangen. Die Stadtkonservatorin Frau Hiltrud Kier und der Förderverein romanischer Kirchen riefen in eindrucksvoller Werbung die geschichtliche und kunstgeschichtliche Bedeutung von zwölf der in romanischer Zeit gebauten Kirchen in das Bewußtsein der Kölner und der Welt. Erzbistum und die Pfarreien taten ihr Bestes, dem großen Besucherstrom die religiöse Bedeutung der geschichtlichen Monumente nahezubringen und zu verlebendigen. Wenige Jahre vorher hatte die Abtei Siegburg zum 900. Todestag des heiligen Erzbischofs Anno ein Buch herausgegeben, das unter Rückgriff auf die Lebensbeschreibung des heiligen Anno und sein Begräbnis Einblick in das religiöse Leben des ll. Jahrhunderts gewährt.

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Dreikönigenschrein
Foto: Dr. Jakob Schlafke

Anno verstarb in der Morgenfrühe des 4. Dezember 1075. Es war ein Freitag. Das Läuten aller Kirchenglocken teilte der Bevölkerung seinen Tod mit. Alsbald versammelten sich die kirchlichen Gemeinschaften, Kanoniker, Mönche und Nonnen der Stadt und zogen zum Bischofshaus beim alten Dom. Unter dem Gesang von Psalmen und Antiphonen zog man in großer Prozession in das Atrium des Domes. Hier wurden die Totenvigilien gehalten, während der Verstorbene unter dem großen Kronleuchter aufgebahrt wurde. Nach der Feier der Vigilien bahrte man den Leichnam vor dem Altar des heiligen Petrus im Westchor auf, und der Bischof von Minden feierte mit großer Assistenz die erste Totenmesse. Den Rest des Tages und die folgende Nacht erwies die Bevölkerung der ganzen Stadt dem Verstorbenen ihre Verehrung. Die Totenwache hielten die Domherren. Am folgenden Samstag wurde in der Frühe die heilige Messe für den Verstorbenen im Dom gefeiert. Dann trugen die Männer die Bahre über den Domhof zu der Benediktinerabtei Groß Sankt Martin. Wieder folgte unter dem Läuten der Glocken ein großer Trauerzug. In Sankt Martin waren die Reliquienschreine aufgestellt, die vorher noch niemals bei einer Totenfeier zugegen waren. Der Chronist schreibt, Anno sei diese Ehrung widerfahren, weil er eine so große Verehrung zu den Reliquien der Heiligen gehabt habe wie kaum jemand vor ihm. Und wie Anno auch in seinem Leben die Verehrung der Heiligen sich hatte besonders angelegen sein lassen, so sollte dem Toten durch die Anwesenheit der Heiligen besondere Ehre erwiesen werden und diese aufgerufen sein, für ihn an Gottes Thron Fürsprache einzulegen. Nach der feierlichen Messe in Groß Sankt Martin zog die Prozession weiter nach Sankt Maria im Kapitol, wo wieder Station gehalten wurde. Die dritte Station des Samstags war in dem freiadeligen Damenstift Sankt Cäcilia, das unter den Klöstern Kölns einen besonderen Rang einnahm. Am selben Tag noch zog die Prozession weiter zu der Kollegiatkirche Sankt Georg, die Anno gegründet hatte. Hier wurde die Leiche für die Nacht aufgebahrt; die Kanoniker hielten die Totenwache. Der dritte Tag begann wieder mit Vigilien und der Eucharistiefeier, und dann überführte man den Leichnam von Sankt Georg nach Sankt Severin, dem Anno während seines Lebens besondere Verehrung entgegenbrachte. Die Stiftsherren dort zogen dem Leichenzug mit dem Schrein ihres Patrons, des heiligen Severin, entgegen. Weitere Stationen dieses Tages waren die Benediktinerabtei Sankt Pantaleon und die Stiftskirche Sankt Aposteln. Den Abschluß des Tages bildete der Einzug in Sankt Gereon, wo der Zug im Triumph empfangen wurde. Auch hier wurden die Heiligen der Kirche Anno entgegengetragen. Alle Glocken läuteten bei dem Einzug in die festlich erleuchtete und in Gold und Emaille strahlende Kirche. Die ganze Nacht über ertönte der Psalmen- und Hymnengesang der Stiftsherren.
Am Montag, dem 7. Dezember, dem vierten Tag der Trauerfeierlichkeiten, versammelten sich wieder viele Kleriker und eine große Menge des gläubigen Volkes, um Anno weiterhin die letzte Ehre zu erweisen. Die Prozession zog von St. Gereon nach St. Andreas, wohin auch der Frauenkonvent von St. Ursula seine Reliquienschreine entsandte. Nicht minder prächtig war der folgende Empfang in St. Kunibert, wo Anno zwischen den Schreinen der beiden Ewalde aufgebahrt wurde, zu denen er in seinem Leben großes Vertrauen gehabt hatte.
Am Abend zog die Prozession zu Annos zuerst gegründeter Stiftskirche Mariengraden, zwischen Dom und Rhein. Auch hier hielten die Kanoniker die Nachtwache. Sie hätten gerne den verstorbenen Erzbischof bei sich behalten, wenn er nicht selbst seine Überführung nach Siegburg verfügt hätte.
Für den fünften Tag ordneten die Kölner Prioren eine große Schlußfeierlichkeit im Dom an. Zu ihr sollten alle Kölner Konvente und Kirchen mit ihren Heiligen kommen. In der Frühe des Dienstags zogen die Prozessionen nach Mariengraden und überführten den Erzbischof über den Friedhof vor dem Ostchor des Domes in die Kathedrale. Der Stab des hl. Petrus wurde ihm entgegengetragen. Beide Chöre erstrahlten im vollen Glanz ihrer Kronleuchter. Der Dom konnte die Menge des Volkes kaum fassen. Als vornehmster Schrein stand der des hl. Severin auf dem Petrusaltar des Westchores. Die übrigen Schreine und Reliquiare umgaben ihn im Halbrund. Inmitten dieses erlauchten Kreises der Kölner Heiligen wurde der Tote vor dem Hauptaltar des Domes aufgebahrt. So nahm er den ganzen Tag und die kommende Nacht über in seiner Bischofskirche Abschied von seinen Diözesanen. Alle Geschäfte in der Stadt ruhten; der Strom der Besucher nahm kein Ende.
Am folgenden Mittwoch wurde er nach der in aller Pracht gefeierten Totenmesse aus dem Dom durch die Kirche Mariengraden die Freitreppe hinunter zum Rhein hinabgeleitet. Hier setzte man die Bahre zur Überfahrt nach Deutz auf ein Schiff, das ihn über den durch Hochwasser angeschwollenen Strom zur Abtei des hl. Heribert brachte. Die Vita berichtet, das Schiff sei, obwohl die Fährleute wegen des tosenden Wassers die Ruder kaum zu gebrauchen wagten, wie ein Pfeil auf die etwa 500 Meter stromaufwärts liegende Abtei zugeschossen. Alle hätten sich über diese Erscheinung verwundert, und auch seine Gegner, die ihm wegen der Ereignisse des Aufstandes von 1074 noch gram waren, seien verstummt und schweigend nach Hause gegangen.
Anno wurde dann in der Abteikirche St. Heribert aufgebahrt, wo die Mönche und das Volk ihm ehrende Totenwache hielten. Am kommenden Morgen, dem 10. Dezember, feierten die Konvente der Mönche und der Nonnen zu Hause die Matutin und setzten dann vor Morgengrauen nach Deutz über. In der Abteikirche feierte man die hl. Messe. Auch hier erstrahlte das Gotteshaus im Glanz vieler Lichter. Volk, Geistlichkeit und Vorsteher der Stadt geleiteten den toten Bischof unter feierlichem Geläute aller Glocken auf den Weg nach Siegburg. Durch das eingetretene Tauwetter waren die Wege so schlecht, daß der Wagen öfter steckenblieb und die Bahre von den Begleitern auf der Schulter getragen werden mußte. In Siegburg empfingen ihn die Mönche seiner geliebten Abtei auf dem Marktplatz, geleiteten ihn in die Kirche und betteten ihn nach den feierlichen Exequien des achten Tages nach seinem Tode in das Grab, in dem er bis zu seiner Heiligsprechung am 29. April 1183 ruhen sollte. Der tote Erzbischof besuchte gleichsam noch einmal die Hauptkirchen, zu denen er in seinem Leben oft gepilgert war. Wenige Tage vor seinem Tode, als er schon zu schwach war, die Kirchen aufzusuchen, hatte er sich in den Dom tragen und die Reliquienschreine der anderen Kirchen dorthin bringen lassen. Nach einer 1539 im Kloster Frauweiler bei Bedburg aufgeschriebenen Legende, deren Handschrift sich unter der Signatur G.B. fol. 88 im Historischen Archiv der Stadt Köln befindet, wird berichtet: „Als Anno fühlte, daß sein Tod nahe war, ließ er sich auf einer Tragbahre in den Dom tragen, den heiligen Reliquien entgegen, die dorthin gebracht wurden in ihren jeweiligen Behältnissen. Er hatte sich in kostbare Gewänder kleiden lassen. Bischof Anno erwies jedem Schrein besondere Ehre mit geneigtem Haupt. Als er von weitem die ehrwürdige Lade des hl. Severin bringen sah, rief er laut und warf sich von der Tragbahre in den Schmutz. Als nun die heiligen Reliquien in die Kirche gebracht worden waren, wurden dort den ganzen Tag und die ganze Nacht bis zum anderen Morgen die Lobpreisungen gehalten. Da bat er, man solle rasch eine Messe abhalten für seine Sünden. Dann sprach er unter Tränen:
„Ich habe durch Euch vollkommene Hoffnung, einzugehen in das ewige Leben“
(G. Busch, Sankt Anno S. 430 f.).
Eine bedeutsame Zusammenstellung über Prozessionen und Stationen im mittelalterlichen Köln hat Arnold Wolff uns in dem Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen (1986, 33 ff.) geschenkt. Er stellt das Kölner Stationswesen der Zeit ab 1200 in Parallele zu den Stationsgottesdiensten, die im römischen Meßbuch bis in unsere Zeit vermerkt waren. Man versammelte sich an einem bestimmten Platz und zog mit dem Bischof oder seinem Stellvertreter in Prozession zu der Kirche, die dann für den Tag Hauptkirche war. In Rom wurde dieser Brauch bis in die letzten Jahrzehnte geübt. Das Missale Pius' V von 1570, das bis zur Reform des 2. Vatikanischen Konzils galt, nannte noch 89 Stationsvermerke, die sich auf 42 der Kirchen verteilten. Stationstage waren besonders die Sonntage im Advent und die Tage der Fastenzeit. In einem alten Schott kann man dies leicht nachlesen. Die Kölner Tradition geht bis in die Zeit des hl. Severin um 400 zurück. 1984 hat Erzbischof Kardinal Höffner in St. Maria im Kapitol, nach der Wiederherstellung der Kirche, den alten Brauch der ersten Weihnachtsmesse dort wieder aufgenommen. Durch die Arbeiten von Pfarrer G. Amberg in Bensberg-Frankenforst haben wir über das Kölner Stationswesen und seine Geschichte in den letzten 700 Jahren viel Interessantes erfahren. A. Wolff nennt in seiner Studie über die „Kirchenfamilie Köln“ 28 Stationsgottesdienste nach dem Kirchenjahr und stellt diese in Parallele zu den römischen Kirchen. Dabei entfallen 13 auf den Dom, fünf auf St. Gereon, drei auf St. Maria ad Gradus, je zwei auf St. Maria im Kapitol, St. Caecilien und St. Aposteln und einer auf St. Severin (a. a. O. S. 39). Für die Heiligenfeste stellt er 15 Stationen fest: fünf im Dom, zwei in St. Gereon und je eine in St. Heribert, St. Maria im Kapitol, St. Aposteln, St. Pantaleon, St. Ursula, St. Severin, St. Kunibert und St. Andreas.
A. Wolff schreibt am Schluß seiner Ausführungen, die Stationsgottesdienste hätten nicht nur an den aufgezählten Tagen stattgefunden, sondern sehr viel häufiger in St. Gereon und St. Maria im Kapitol vielleicht 15-20mal. Weil bei diesen Anlässen leicht 600-800 Personen zusammengekommen seien, seien die großen Kirchen sinnvoll und notwendig gewesen.
Der Bericht der Todesfahrt Annos nennt außer St. Maria Lyskirchen alle heute im Mittelpunkt des Interesses stehenden Romanischen Kirchen. Die Peregrinatio des toten Erzbischofs zeigt uns auch, wie diese Kirchen von den Gläubigen der verschiedenen Pfarrbezirke in ihren besonderen Anliegen aufgesucht wurden. Es scheint darum wohl angemessen, auch diese in die Betrachtung Kölner Pilgerwege aufzunehmen. W Nyssen hat uns in seinem Buch „Heiliges Köln, Wallfahrten zu den Heiligtümern der Frühzeit“ dazu wertvolle Anregungen gegeben: Vom Dom ausgehend führt er in seinem ersten Wallfahrtsweg über St. Andreas, St. Mariä Himmelfahrt, St. Ursula, St. Maria Ablaß nach St. Gereon. Der zweite geht vom Dom nach St. Alban, St. Maria im Kapitol, St. Georg, St. Johann Baptist und der Elendskirche nach St. Severin und weiter zur Kartäuserkirche, St. Maria vom Frieden und nach St. Pantaleon. Eine dritte Wallfahrt besucht nach dem Dom Minoriten, St. Kolumba, die Antoniterkirche, St. Caecilien, St. Peter und St. Aposteln. Ein vierter Weg geht vom Dom nach St. Kunibert, Groß St. Martin und St. Maria Lyskirchen. Die Wallfahrtswege werden abgerundet durch den Besuch der beiden St. Heribertkirchen auf der rechten Rheinseite. Ein Buch über Kölner Wallfahrt darf an den im Vorstehenden genannten Kirchen nicht vorbeigehen. Am 15. November 1980 feierte Papst Johannes Paul II. mit über 300 000 Gläubigen, die auf dem durch den andauernden Regen aufgeweichten Boden des früheren Flugplatzes Butzweilerhof geduldig ausharrten, die hl. Messe. Anlaß seines Besuchs in Köln war der 700. Todestag des großen Dominikanertheologen, des hl. Albert. Es war der erste Papstbesuch in Köln seit dem Peter-und-Pauls-Tag 1049, an dem Papst Leo IX. in Gegenwart Kaiser Heinrichs III. in einer glanzvollen Feier die hl. Messe gefeiert und in St. Maria im Kapitol den Kreuzaltar geweiht hatte Damals hatte Erzbischof Hermann II. für sich und den Dom eine Reihe von Vorrechten neu erhalten oder bestätigt bekommen. Als Titelkirche in Rom war ihm die Kirche St. Johannes ante Portam Latinam übertragen worden, die 900 Jahre später auch unser Kardinal Frings als Titelkirche erhielt. Ein besonderes Geschenk für das Domkapitel war die Ehre, sich wie die römischen Ratgeber des Papstes Presbyter Cardinalis nennen zu dürfen (vgl. Oediger, Geschichte des Erzbistums Köln, B I, S. 112)
Der Papst, der durch seine Reisen dem ganzen Abendland die universale Bedeutung der Kirche zu lebendigem Bewußtsein brachte, hatte es auch in Köln verstanden, durch die Feierlichkeit der Altarkonsekrierung und seiner Predigt dem Volk nahezutreten und dessen stürmische Begeisterung zu wecken. Man hat treffend gesagt: „Leo habe zuerst die christliche Welt daran gewöhnt, daß der Papst regiere; durch ihn sei das Papsttum, das lange Zeit eine erhabene Idee gewesen, zu einer greifbaren Größe geworden.“ (Seppelt Löffler, Papstgeschichte [1933] S. 134.)
Am Mittag des 15. November 1980 hatte Papst Johannes Paul II. die jetzt dem Dominikanerorden übertragene Kirche St. Andreas besucht und in der Krypta beim Grabe des hl. Albert gebetet. Auch in der 1260 vollendeten Minoritenkirche mit den Gräbern des großen Franziskanertheologen Duns Skotus und des Gesellenvaters Adolph Kolping hatte er verweilt. Im Dom traf er mit über 5000 Wissenschaftlern aus der ganzen Bundesrepublik zusammen und sprach dort fast eine Stunde lang über Fragen der christlichen Ethik. Dabei war über dem ersten Platz der Evangelienseite des Chorgestühls die Fahne mit dem päpstlichen Wappen aufgezogen, um daran zu erinnern, daß der Papst, ebenso wie auf der anderen Seite der Kaiser, seit dem frühen Mittelalter Ehrenkanoniker des Kölner Doms war.

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